Alltäglich Belangloses

Men in Black – Spezialmission im Grabfeld

In den tiefen Kalkschichten in und um Jüchsen wird Kupfer vermutet, das man abbauen könnte. Weltweit zerstören Minen die Natur. Bergbau vielleicht schon bald in Jüsse?

Wird dieses Paradies demnächst zu einer Abraumhalde? Es ist Aufgabe der Politik, hier für klare Verhältnisse zu sorgen.

Freitag vormittag, das Küchenfenster verdunkelt sich. Schock!! In den Qualitätsmedien ist ohnehin schon der „dritte Weltkrieg“ ausgebrochen und Putin ist auf die dunkle Seite der Macht gewechselt. Angstkulisse – Eskalation – The Men in Black?

Sind Agent J und Agent K im Anmarsch? Werden wir jetzt alle mit den Blitz-Dings, dem ikonischen Gedächtnislöscher bearbeitet? 

Nach „Ylenia“ und vor „Zeynep“

Ein langer Autokonvoi fuhr langsam vorbei und ich staunte. Meine erste Assoziation waren die „MIB´s“ mit ihren schwarzen Anzügen und dunklen Sonnenbrillen. An den Pickups standen die Initialen „DMT“. Die meisten kennen diese Buchstaben nur im Zusammenhang mit halluzinogenen Mittelchen, die entweder geraucht, geschnupft oder injiziert werden.

Die Firma DMT bietet ein breites Spektrum an fachlicher Expertise für den Bergbau. Ihre Dienstleistungen unterstützen Bergwerke und Bergbauprojekte jeder Art und in allen Phasen (von Exploration bis Stilllegung und Rekultivierung). Die Firma ist in unseren Ort „eingefahren“, um hier innovative und hochtechnische Analysen durchzuführen und Prozesse zur Rohstoffgewinnung zu konzipieren und zu planen.

Das Unternehmen „Kupfer-Copper“ will in Südthüringen Lagerstätten für Kupfererz finden. Kupfer ist auf dem Weltmarkt gefragt und die Preise sind gestiegen. Die Firma DMT wurde mit den seismischen Messungen im Grabfeld betraut. Ein Info-Flyer informiert:

Die weltweite gesteigerte Nachfrage hat den Markt für Rohstoffe durcheinandergewirbelt und sorgt auch in Deutschland für Probleme. Die Preise sind teils dramatisch gestiegen. „Verteilungskämpfe zwischen den Ländern dieser Welt finden derzeit nicht nur beim Impfstoff statt.“ schreibt die Deutsche Handwerkszeitung am 12.04.2021 auf ihrer Homepage. Baumaterialien sind zwischen 15 und 50 Prozent teurer geworden. Laut EU-Studien gehört Kupfer aber nicht zu den kritischen Rohstoffen, zumal die Minenkapazitäten erweiterbar sind. Eine geradezu fatale Unbedarftheit. Experten gehen davon aus, dass die globale Nachfrage nach Kupfer bis 2030 sehr stark ansteigen wird. Nichts geht ohne Kupfer, ob als Material für Leitungen und Kabel, beim Maschinenbau, in der Autoindustrie oder der Elektrotechnik. Elektroautos und erneuerbare Energien werden zukünftig massiv die Nachfrage pushen.

Die Einsatzgebiete von Kupfer in der Industrie sind vielfältig.

Wissenswertes: Kupfer ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Cu. Noch um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren die Abbaugebiete zwischen Harz und Thüringer Wald und Teile Niederhessens für 80 Prozent der gesamten deutschen Kupfererzeugung verantwortlich. Doch mittlerweile wurde die Förderung von Kupferschiefer zur Erzgewinnung in Deutschland vollkommen eingestellt. Deutschland ist vollständig auf Metallimporte angewiesen.

Da Kupfer stark elektrisch leitfähig ist, wird das Produkt überwiegend in der Elektrotechnik eingesetzt für Kabel und Leitungen. Im Bauwesen findet Kupfer ebenfalls Anwendung (es lässt sich durch seine weiche Konsistenz gut verarbeiten) und wegen der hohen Wärmeleitfähigkeit machen es sich auch Heizungsbauer gerne zu Nutzen. 

Auf der Suche nach Kupfererz

Seid ein paar Tagen, wurden ein kilometerlanger Weg, direkt durch unser Dorf, mit verschiedenfarbigen Hölzern versehen. Diverse Markierungen wurden angebracht sowie Erdmikrophone (Geophone) in den Boden versenkt. Die Geräte sind die neueste Generation der Seismographen. Mehrere Ultrakleine, 160 gleiche Einkanal-Remote-Einheiten, verbunden mit einem zweiadrigen, leichten Kabel ergaben das seismisches Erfassungssystem für eine Datenübertragung in Echtzeit.

Auch Nachts blinkten die Geräte und säumten die Wege.

Die illustren Kabel und Gerätschaften sorgten anfänglich für munteres Rätselraten im Dorf. Spekulationen machten die Runde. Die Ankunft der Firma DMT wurde wie gewohnt unterkomplex eingedampft. Schließlich ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste.

Seid 2 Tagen liegen die teuren Messinstrumente auf einer Strecke von mindestens 10 Kilometern verteilt. In Frankfurt am Main, der angeblich gefährlichsten Stadt Deutschlands, wäre sowas sicherlich nicht möglich gewesen. Aber in unserem beschaulichen Örtchen Jüchsen, ist die Gefahr, das die Messinstrumente Opfer von Kriminalität werden, sehr gering. Man kennt sich, man gibt aufeinander Acht. Wem etwas Ungewöhnliches in der Nachbarschaft auffällt, der schaut sofort nach, ob alles beim Rechten ist. Wir leben hier auf dem Dorf wirklich noch im gelobten Land.

Viele von diesen grau-orange Würfeln mit Erddorn (Geofone) liegen in und um Jüchsen derzeit aus. Sie empfangen die aus der Tiefe der Erde reflektierten Schallwellen und zeichnen am Ende ein Modell des Untergrunds.
Seismische Messungen und Monitoring auf hohem Qualitätsniveau mit dem SUMMIT X One. Die flexiblen Seismographen für hochauflösende seismische Messungen in der Exploration wurden zu hunderten in der Gegend positioniert.

Sehr rätselhafte und mächtige Maschinen

Die Firma DMT sorgt im Moment für eine willkommene Ablenkung von der schlimmsten Pandemie, seit Einführung des Männerschnupfens. Am gestrigen Freitag fuhren die Fahrzeuge mit den mächtigen „Vibro-Trucksschweben“ durchs Dorf und gingen in Position. Zeitnah haben sie angefangen Schwingungen auszusenden. Ein Mitarbeiter meinte zu mir, das die Arbeiten wohl noch bis Montag/Dienstag andauern werden. Da der Einsatz noch läuft, kann der Vermessungstrupp quasi noch besichtigt werden. Das wäre doch ein spannender Sonntagsausflug, nach dem Motto „heimatentdecken“?  Eine entspannte Fahrt ins Grüne und ein aktiver Ausflug entlang des ca. 10 Kilometer abgesteckten, seismisches Erfassungssystems.

Die Vibro-Trucks erzeugen mit ihren hydraulisch absenkbaren Rüttelplatten (in der Mitte der Trucks) Schallwellen, die sich bis tief in den Untergrund ausbreiten. 1 bis 3 Minuten lang dauert ein solcher Sweep. Die geologischen Schichtgrenzen reflektieren nun die in die Tiefe gesandten Signale.

Die Daten werden entlang der Profilinien von vielen hundert Geophonen aufgezeichnet. Vergleichbar mit einer Ultraschallaufnahme in der Medizintechnik. Mit diesen Daten kann eine Karte des Untergrunds bis in 5.000 Meter Tiefe erstellt werden. Hier in der Gegend wird aber nicht so tief gemessen, erklärte man mir.

Die Entstehung von Kupfererz Lagerstätten geht auf komplexe geologische und geochemische Prozesse zurück. Je nach Art dieser Vorgänge können unterschiedlich große und reiche Lagerstätten gebildet werden. Kupfererze befinden sich in der gesamten Erdkruste unseres Planeten.

Vibro-Trucks heißen die beiden Fahrzeuge, die sich einige Meter von mir (Sicherheitsabstand) positioniert haben und eine Platte zwischen ihren vier Rädern auf den Boden absetzen. Dann begannen die Trucks zeitgleich zu rütteln. Das Verfahren war sehr laut und der Boden bebte leicht unter mir. 3 Pickups begleiteten die beiden Vibro-Trucks zur Sicherheit, da hier und da Schaulustige (wie ich 🙂 ) am Wegesrand standen. Freundlich bekam man auf alle Fragen von den Mitarbeitern des DMT eine Auskunft und wurde zur Vorsicht angehalten.

Die Art von Messungen funktionierten ähnlich wie die Messung von Wassertiefen (mittels Echolot auf einem Schiff). Auf diese Art und Weise spüren Erdgasunternehmen, Erdgasfelder auf oder heißes Tiefenwasser für die Geothermie. Die Wärme aus der Tiefe ist sehr klimafreundlich.

Das Verfahren ist Fundament für die Planung möglicher Erkundungsbohrungen. Unnötige Bohrungen will man mit diesen Verfahren quasi vermeiden.

Derzeit teures Equipment überall auf dem Boden in Jüchsen.

Letztes Jahr suchte eine Spezialfirma Südthüringen bereits aus der Luft mit Messflügen nach Bodenschätzen ab. Das auffallende blau/rot/weiße gestreifte Flugzeug des Typs DC 3 mit Propellertriebwerk (Rosinenbomber), aus dem Jahr 1943, das zur Suche verwendet wurde, flog ziemlich tief (zum Teil nur 80 Meter) über unsere Ortschaft.

Bergbau im Kreuzfeuer der Kritik

  • Durch Bergsenkungen hat sich z.B. die Erdoberfläche im Ruhrgebiet teils bis zu 30 Meter abgesenkt.
  • Die Werra wird durch das „Kaliwerk“ zum Salzfluss und ist der am stärksten mit Salz belastete Fluss Mitteleuropas. Flüssige Rückstände durch den Salzabau bei Kali werden teilweise im Untergrund verpresst und zu großen Teilen in die Werra eingeleitet.
  • Den beiden Braunkohlerevieren (Garzweiler, NRW und Welzow-Süd, Brandenburg) mussten bisher insgesamt 136 Dörfer weichen. 18 weitere sind bedroht.
  • Der Braunkohletagebau in der Lausitz verursacht die Verockerung der Spree durch Ablagerungen von Sulfat und Eisenoxid. Das sind alles Schäden für die Ewigkeit.

Ob die Menschen in Thüringen vor ihrer Haustür wirklich Abraumhalden wollen, wie die Spitzkegelhalde (eine der Pyramiden des Mansfelder Landes), die nach Abbau von Kupferschiefer entstanden ist? Wie sowas abläuft, wissen wir ja – mit sensationellen Zugeständnissen der Profiteure und starken Sprüchen wie: „Ihr Wohlergehen liegt uns am Herzen.“ Jeder Bürger bekommt dann noch persönlich Lametta umgehängt.

Zur Not schicken wir einfach die bezaubernde Annalena nochmal nach Russland, um Putin mit mädchenhaften Charme und sanfter Strenge um Ressourcen zu bitten. 🙂

Die Jagd auf Bodenschätze in Thüringen hat jedenfalls schon mal begonnen.

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