„RübenRetter“ Retterbox im Test
Im Moment gibt es einige Startup-Unternehmen, die sich mit Retterboxen gegen Lebensmittelverschwendung beschäftigen. Die Idee, Produkte zu verschicken, die sonst weggeworfen werden, ist eine große Hilfe im Kampf gegen die Essensverschwendung. Man entdeckt Neues, spart Geld und schont dabei die Umwelt. 1/3 aller Lebensmittel wird verschwendet. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Retterboxen gibt es mit Chips, Nudeln, Soßen, Nüssen, Schokolade etc., wo zum Beispiel das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder die Produktionsfehler besitzen. Aber auch krummes Gemüse oder Obst, das nicht der Norm entspricht, wird gerettet und zum Verkauf angeboten.
Und nebenbei: Die meisten Menschen lieben Überraschungen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen unerwartete Freuden interessanter finden als erwartete.
Um mehr zum Schutz unserer Umwelt beizutragen, müssen wir vor allem unseren Konsum überdenken

Pünktlich zum 22. April, dem Earth Day habe ich meine erste Retterbox zugesandt bekommen. Der Earth Day soll uns daran erinnern, wie wichtig es ist, nachhaltiger zu leben. Die diesjährige Kampagne hierzulande lautete: „Jeder Bissen zählt. Schütze was du isst – schütze unsere Erde „. Damit sei der Anspruch formuliert,“ sich für globale Ressourcen-Schonung zu engagieren“, heißt es auf eathday.de.
Da ich immer der Meinung bin, jeder kann im Kleinen und bei sich selber anfangen, etwas gutes für unseren Planeten zu tun, habe ich am 20.04.2021 mein Retterbox-Abo auf rübenretter.de bestellt, um dieser Losung gerecht zu werden. Es ist mein kleiner, persönlicher Anteil, um die Erde ein Stück besser zu machen. Denn „Vom Kassenzettel zum Stimmzettel“, d.h. mit unserer Kaufentscheidung können wir als Konsumenten großen Einfluss auf Unternehmen ausüben. Aber wie wichtig der Umwelt- und Klimaschutz ist, rückt immer mehr ins Bewusstsein bei uns Deutschen.


Das Abenteuer der krummen Karotte
Wer zum ersten Mal eine Retterbox öffnet, merkt relativ schnell: Hier herrscht eine andere Gemüse-Ästhetik als im Supermarkt. Während dort offenbar nur Gemüse mit Modelmaßen zugelassen wird, wirkt die Retterbox eher wie ein Klassentreffen der Charakterköpfe. Die Karotte hat vielleicht zwei Beine, die Gurke erinnert leicht an eine Banane und die Kartoffel sieht aus, als hätte sie ein bewegtes Leben hinter sich.
Genau das ist aber der Punkt. Im Supermarkt gelten sehr strenge optische Standards. Obst und Gemüse müssen bestimmte Größen, Formen oder Oberflächen haben, sonst werden sie aussortiert. Dabei sind diese Produkte geschmacklich völlig in Ordnung. Sie landen nur deshalb nicht im Laden, weil sie nicht perfekt aussehen. Anbieter wie Rübenretter versuchen genau hier anzusetzen: Sie retten Obst und Gemüse, das wegen kleiner Schönheitsfehler oder Überschuss nicht im Handel verkauft wird, obwohl es problemlos gegessen werden kann.
Das Ergebnis ist eine Kiste voller Lebensmittel, die vielleicht nicht Instagram-perfekt sind, aber definitiv essbar. Und manchmal sogar überraschend lecker.
Ich hatte mich für den „RETTERBOX MIX“ für 19,99 EUR entschieden. Meine Kiste war gemixt aus über 5 kg saisonalen Obst & Gemüse aus heimischem Anbau und dem sonnigen Süden. Ich habe mir ein Abo (jederzeit kündbar) ausgesucht, und erhalte fortan jede zweite Woche, eine tolle Auswahl an krummen Köstlichkeiten. Es bereichert meinen Essensplan und inspiriert mich zu neuen Gerichten. Außerdem lerne ich Gemüsesorten kennen, die ich sonst nicht kaufen würde. Wer im Bio-Laden einkauft oder im heimischen Garten selber anbaut, sieht öfters „natürliche Formen“, von daher stört mich die äußere Form der Frucht nicht. Die inneren Werte zählen! Ich lege nur Wert auf Frische. Denn Obst und Gemüse schmecken nicht nur lecker, sondern enthalten auch viele lebensnotwendige und gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe. Aber nur, wenn sie nicht „zu Tode“ gelagert wurden.
Discounter geben zeitweilen Obst und Gemüse auch eine zweite Chance. Statt unperfekte Ware zu entsorgen, verkaufen sie diese Artikel zum deutlich reduzierten Preis. Aber was ich immer wieder beobachte: Diese Artikel eignen sich meist nur noch für den Kompost. Der Nährwert für uns Menschen ist oft gleich Null, und dementsprechend sehen sie auch aus.
Werden Obst oder Gemüse an einem zu warmen Ort aufbewahrt, können sie bereits nach zwei Tagen bis zu 70 Prozent ihrer Vitamine verloren haben. Neben Wärme reagieren Vitamine ebenfalls besonders empfindlich auf Licht.
Mit meinen ersten beiden Retterboxen von „Rübenretter“ bin ich voll und ganz zufrieden gewesen. Das Obst und Gemüse war frisch und im einwandfreien Zustand. Die kleinen Bananen mussten noch nachreifen und der Rest war knackig und sehr schmackhaft. Die Lieferung erfolgte pünktlich, portofrei sowie ordentlich verpackt. Bis auf eine kleine feuchte Tüte für den Salat, war alles plastikfrei eingepackt und ich musste kein CO₂ in die Luft pusten, um zum nächsten Hofladen zu fahren. Die Tatsache, dass nicht jedes Stück in eine Papiertüte gesteckt wurde, gefällt mir. Die zweite Retterbox kam komplett Plastikfrei an. So viel wie nötig, so wenig wie möglich, damit das Obst und Gemüse ohne Beschädigung ankommt.


Ich habe mich bemüht, meine ersten erhaltenen Retterboxen objektiv zu bewerten. Natürlich kann jede Kiste anders ausfallen, denn kein Gemüse- oder Obststück ist identisch. Dennoch kann man einen ersten Eindruck gewinnen, der in diesem Fall sehr gut war. Meine Tochter, von der ich den Tipp bekam, bezieht diese Kisten bereits seit längerer Zeit und hat bis dato ebenfalls keinen Grund zur Beanstandung. Ich freue mich auf alle folgenden Boxen – es bleibt spannend.

Überraschungskiste mit Lerneffekt
Ein interessanter Nebeneffekt der Retterbox war, dass man plötzlich Dinge kocht, die man sonst nie gekauft hätte. Im Supermarkt greift man ja meistens zu dem, was man kennt: Tomaten, Paprika, vielleicht noch eine Zucchini.
In der Retterbox tauchten dagegen plötzlich Dinge auf, bei denen man erst einmal kurz googeln muss. „Was macht man eigentlich mit Pastinaken?“ oder „Kann man aus diesem gigantischen Kohlkopf wirklich etwas Essbares herstellen?“
Der positive Effekt: Man wird automatisch ein bisschen kreativer beim Kochen. Der Speiseplan erweitert sich, und man probiert neue Rezepte aus. Das hat etwas von einer kulinarischen Überraschungstüte, nur eben mit Gemüse statt mit Plastikspielzeug.


Nachhaltigkeit mit einem Augenzwinkern
Natürlich steckt hinter dem Konzept auch ein ernstes Thema: Lebensmittelverschwendung. Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Ernte wird aussortiert, weil sie nicht den optischen Erwartungen des Handels entspricht. Retterbox-Anbieter versuchen, genau diese Produkte doch noch auf den Teller zu bringen und damit Ressourcen zu schonen.
Man könnte also sagen: Mit jeder Retterbox rettet man ein kleines Gemüse-Schicksal. Die krumme Karotte bekommt eine zweite Chance, die leicht schiefe Gurke darf doch noch Teil eines Salats werden, und die Kartoffel mit der interessanten Persönlichkeit landet nicht im Müll, sondern im Kochtopf.
Und ganz ehrlich: Am Ende interessiert es auf dem Teller sowieso niemanden mehr, ob die Karotte gerade oder krumm war.
Fazit nach dem Test
Mein Eindruck nach dem Test der Retterbox ist daher ziemlich positiv. Die Idee, Lebensmittel zu retten und gleichzeitig eine abwechslungsreiche Kiste nach Hause geliefert zu bekommen, hat durchaus Charme.
Man muss sich allerdings auf zwei Dinge einstellen: Erstens wird der Inhalt jede Woche anders sein. Zweitens sieht das Gemüse manchmal ein bisschen… sagen wir mal… individuell aus.
Wer damit leben kann oder vielleicht sogar Freude daran hat, bekommt eine interessante Mischung aus Nachhaltigkeit, Überraschung und Kochabenteuer geliefert. Und vielleicht entwickelt man dabei sogar eine gewisse Sympathie für die krumme Karotte.
Anmerkung: Wir haben keine Kooperation mit „Rübenretter“. Vorgenannter Erfahrungsbericht basiert auf eigener und ehrlicher Recherche. Die Produkte wurden von Jenni und mir ohne Auftrag selbst gekauft.



2 Kommentare
Edeltraud Wozniak
Hallo, das liest sich ja alles ganz schön. Ich kann nur sagen Hände weg. Dienstag ist die Kiste aufgegeben worden uns Samstag soll sie kommen – Gammelware möchte ich nicht.
riethmüller gudrun
im großen und ganzen bin ich mit ihrer lieferung einverstanden, möchte aber einige punke anmerken die mir nicht gefallen
durchgebrochen gurke nur dass sie in den karton passet
gedrücktes obst zum teil zermatscht, nicht mehr essbar
birnen mit beginnenden faulstellen